Heinrich Böll widmet sich erst nach dem Krieg wirklich ernsthaft seiner Leidenschaft: dem Schreiben. Obwohl er innerhalb kürzester Zeit schon etliche Texte verfasst hat, fällt es ihm schwer, sich als junger Autor in der Szene zu etablieren. Gründe dafür gibt es viele: seine Themen sind nicht gefragt, Köln ist zu dieser Zeit kulturelle Provinz und teuer ist der neue Beruf auch. Doch Böll macht weiter...
1945 kehrt Heinrich Böll aus dem Krieg in seine geliebte, nun über weite Teile zerstörte Heimatstadt Köln zurück und erkennt sie kaum wieder. Er schreibt sich an der Kölner Universität als Student der Germanistik ein und arbeitet nebenher als Hilfsarbeiter in der Schreinerei seines Bruders. Schon nach kurzer Zeit werden die regelmäßigen Besuche der Universität immer seltener. In einem Brief an seinen Freund Ernst-Adolf Kunz, den er im Gefangenenlager in Attichy (nordöstlich von Paris) kennen gelernt hatte, schreibt er von seiner neuen Beschäftigung: "Und meine eigentliche Arbeit, meine große Freude und meine große Not ist, dass ich abends schreibe; ja, ich habe das Wagnis begonnen und schreibe. […] Es ist ein großes Auf und Ab des Überzeugtseins von mir selbst und des Bewusstseins meiner vollkommenen Unfähigkeit…" ([1], S. 24) Ein halbes Jahr später, im Mai 1947, hat er bereits seinen ersten Roman und etwa zehn Kurzgeschichten fertig, und mit einer Veröffentlichung im Rheinischen Merkur ist ein erster Schritt in die Öffentlichkeit getan.
Köln ist zu dieser Zeit noch kulturelle Provinz, und Literatur spielt im öffentlichen Leben keine Rolle. Unter den neun Buchverlagen des Nachkriegsdeutschlands befindet sich kein einziger literarischer Verlag (aus [1]). Böll hat, außer seiner Frau Annemarie und einigen Bekannten, niemanden mit dem er sich austauschen kann. Im Juli 1948 schreibt er an Kunz: "Das schlimmste ist, dass ich nicht reisen kann, [...]; von einer persönlichen Rücksprache verspräche ich mir fast einen glatten Erfolg." ([1], S. 108) Zu dieser Zeit hat Böll sowohl beim Abendland Verlag in München als auch in Kassel bei der Zeitschrift "Das Karussell" eine Vielzahl von Erzählungen und Kurzgeschichten liegen. Die Anwesenheit vor Ort, um für Gespräche und Verhandlungen direkt zur Verfügung zu stehen, und das Verschicken von Manuskripten sind eine Geldfrage. Um Geld zu verdienen gibt Böll Privatstunden für Schüler, arbeitet weiter für seinen Bruder in der Schreinerei und baut das eigene Haus um. Zeit zum Schreiben bleibt nur in der Nacht, so dass Böll den Belastungen lediglich mit diversen Narkotika und Aufputschmitteln standhalten kann. Er ist jedoch weiterhin fest entschlossen, sich als Schriftsteller zu behaupten: "Jetzt, wo kein Gold mehr zu verscheuern ist, muß ich versuchen, das Gold aus meinem Hirn zu kratzen." ([1], S. 74)