Im August 1952 wird im Briefwechsel mit Kunz erstmals eine Agentur zur Verwertung von Erzählungen und Kurzgeschichten erwähnt. Böll verspricht für dieses Unternehmen regelmäßig Manuskripte zu liefern, die dann durch die Agentur verbreitet werden können. Die Agentur erhält den Namen "Ruhr-Story" und wird sehr schnell erfolgreich – auch wenn Böll der wichtigste Schriftsteller der Agentur ist und bleibt. Durch die Agentur ist Böll in den 50er und 60er Jahren in der gesamten westdeutschen Zeitungslandschaft präsent.
1951 erhält er, als erste Auszeichnung, den "Preis der Gruppe 47" für seine Kurzgeschichte "Die schwarzen Schafe", wodurch Dr. Witsch, vom Verlag Kiepenheuer & Witsch, auf ihn aufmerksam wird und Böll zu einem Verlagswechsel bewegen will.
1952 wendet sich Böll mit einem Brief an den Verlag, in dem er zum Ausdruck bringt, dass er durch keinerlei Optionen mehr an den Verlag F. Middelhauve gebunden ist und daher gern mit Witsch zusammen arbeiten möchte. Als ihn Bölls Brief erreicht, befindet sich Witsch mit seinem Verlag noch in der Aufbauphase. 1953 wird Böll mit seinem Roman "Und sagte kein einziges Wort" schließlich doch Autor des Verlages Kiepenheuer & Witsch. Der Vertrag sieht vor, dass Böll seine größeren Arbeiten dem Verlag vorlegt, die Kurzgeschichten jedoch weiterhin über Ruhr-Story vertreibt. Damit ist eine Entscheidung getroffen, die wie keine andere den Verlag KiWi prägt. Witsch versucht Böll nicht nur als Autor an seinen Verlag zu binden, sondern gewinnt ihn auch als Übersetzer. Außerdem schreibt Böll Buchbesprechungen und ist zeitweilig als Lektor für KiWi tätig. In den kommenden 30 Jahren bringt der Verlag alle großen Werke Bölls heraus. Böll erhält eine Vielzahl der wichtigsten Literaturpreise im In- und Ausland und bleibt dem Verlag bis zu seinem Tode 1985 treu. Der Verlag selber sagt über sich, dass viele Autoren Bedeutung erlangt haben – allerdings keiner so wie Heinrich Böll. KiWi wird in erster Line mit Böll identifiziert und als der Verlag von Heinrich Böll gesehen. Vielfach wurden Entscheidungen so getroffen, dass sie vor Böll bestehen konnten. Dem Verlag war es wichtig, dass Böll mit ihrer Linie der Hausphilosophie einverstanden war (aus [3]). Und so hat Böll nach langem Suchen endlich die Plattform gefunden, die er für seine literarische Arbeit brauchte.
Quellen
[1] Böll, H.: Die Hoffnung ist wie ein wildes Tier. Briefwechsel mit Ernst-Adolf Kunz 1945-1953. München: Deutscher Taschenbuchverlag, 1997
[2] Vormweg, H.: Der andere Deutsche. Heinrich Böll. 1. Auflage, Köln: Verlag Kiepenheuer & Witsch, 2002
[3] Stadt Köln, Oberstadtdirektor, Stadtbücherei und der Verlag Kiepenheuer & Witsch (Hg.): Heinrich Böll und sein Verlag Kiepenheuer &Witsch. Köln: 1992
[4] Böll, H./ Vormweg, H.: Weil die Stadt so fremd geworden ist. Gespräche. 1. Auflage, Bornheim-Merten: Lamuv Verlag, 1985