Ende 1982 beschließt die Stadt Köln, ihrem berühmtesten Sohn die höchste Ehrung zuteil werden zu lassen: die Ehrenbürgerschaft. Doch die Begründung, die sowohl auf das literarische als auch das politische Schaffen Bölls eingeht, stößt bei der CDU auf Widerstand.
Am 21. Dezember 1982 wird Heinrich Böll 65 Jahre alt. Als geeignetes "Geschenk" erscheint dem Stadtrat etwas, das mit wenig Kosten und viel Ruhm verbunden ist: die Ehrenbürgerschaft der Stadt Köln. Im November 1982 erscheint im Express die Meldung, Heinrich Böll solle die höchste Ehre der Stadt zuteilwerden. Die drei Rathausfraktionen CDU, SPD und FDP treffen diese Entscheidung am 05.11.1982; die Feier wird auf den Geburtstag im Dezember angesetzt. Einen Tag später wird gemeldet, Böll werde die Ehrung zwar entgegennehmen – über diese Tatsache war man sich bis dahin in der Presse keineswegs sicher –, aufgrund seines Gesundheitszustands aber nicht persönlich anwesend sein können. Oberbürgermeister Norbert Burger verlegt die Feierlichkeiten daraufhin in den Frühling des folgenden Jahres.
Am 19.11. berichtet der Kölner Stadt-Anzeiger, man habe die offizielle Begründung zur Ehrenbürgerschaft gefunden; im Vorfeld gab es seitens der CDU Einsprüche gegen die Charakterisierung Bölls als "mutigen Verteidiger der Freiheit und freien Meinungsäußerung, den kritischen und engagierten Beobachter gesellschaftlicher Fehlentwicklungen". Laut überwiegender Darstellung in der Presse wollte man ihn als Schriftsteller ehren, aber nicht als politisch engagierten Zeitkritiker. Der Kölner Stadt-Anzeiger zitiert am 19.11. den CDU-Fraktionsvorsitzenden Dr. Gerhard Meyer, es gebe viele innerhalb und außerhalb Kölns, die engagiert seien und die nicht so geehrt würden. Es könne nur um die Würdigung des literarischen Werks gehen, in dem das gesellschaftspolitische Engagement natürlich enthalten sei.