Schon kurz nach dem Tod Heinrich Bölls im Juli 1985 kursiert in der Kölner Bezirksverwaltung Innenstadt die Idee, einen Platz nach dem verstorbenen Ehrenbürger der Stadt zu benennen. Aus der Diskussion um einen würdigen Platz zur Ehrung des Literaturnobelpreisträgers entwickelt sich in den folgenden Monaten ein in den Medien geführter Streit zwischen den verschiedenen Parteien.
Den Auftakt zu einem monatelangen Gezänk um den richtigen Ort für einen Heinrich-Böll-Platz bildet ein Antrag der SPD-Bezirksverwaltung. Demnach soll der Reichenspergerplatz nach dem Literaturnobelpreisträger umbenannt werden. Während die Grünen dem Vorschlag im Hinblick auf einen der Wohnorte Heinrich Bölls in der nahen Hülchrather Straße positiv gegenüberstehen, lehnt ihn die CDU ab: Der Platz sei nach den Juristenbrüdern Reichensperger benannt, und dieser Name sei aufgrund des angrenzenden Oberlandesgerichts auch sinnvoll. Zudem ist der Vorschlag mit der Familie Böll, insbesondere mit der Witwe Annemarie Böll, nicht abgesprochen.
Nachdem der erste Anlauf zu einem Heinrich-Böll-Platz damit schon in seinen Anfängen gescheitet ist, einigen sich die Parteien zunächst auf den Appellhofplatz als Alternative, ein Vorschlag, dem auch Annemarie Böll zustimmt. Damit scheinen die Rahmenbedingungen erfüllt, und die Kölnische Rundschau veröffentlicht am 13.09.1985 bereits die Schlagzeile "Appellhofplatz wird nach Böll umbenannt". Der zugehörige Artikel zitiert einen zufriedenen Bezirksvorsteher Walter Kuert, "daß es in der Sache volle Übereinstimmung zwischen den drei Fraktionen gegeben habe".
Dass sowohl die Schlagzeile als auch die Freude Kuerts übereilt sind, zeigt sich schon vier Tage später im Kölner Stadt-Anzeiger: Die Zeitung kritisiert die Entscheidung für den Appellhofplatz aufgrund dessen preußischer Geschichte und Bölls negativer Einstellung zu eben dieser. Unter dem Titel "Dem Preußen-Gegner ein Stück Preußen geopfert" zitiert der Stadt-Anzeiger Aussagen Bölls aus einem Interview des Jahres 1979, aus dem seine Abneigung gegen Preußen "mit ihrem ganzen väterländischen Scheiß" und "Hohenzollerngebilden" abgeleitet wird. Entsprechend wird der Appellhofplatz als nicht tauglich für eine angemessene Ehrung gesehen, zumal Böll dies vermutlich auch nicht gewollt hätte. Zwei Tage später werden in einem besorgten "Appell für den Appellhofplatz" Stimmen von Juristen angeführt, die dem Platz und der Geschichte des namensgebenden Königlich-Rheinischen Appellationsgerichtshofes eine herausragende Bedeutung für die heutige Rechtsprechung bescheinigen. Diese würde durch eine Umbenennung getilgt werden und "dem armen Heinrich Böll einen postmortalen Tort" antun:

Dieser Meinung schließt sich im gleichen Artikel auch Oberbürgermeister Norbert Burger an, der als Kompromiss die Umbenennung der Hülchrather Straße in Heinrich-Böll-Straße vorschlägt und damit ein Argument aus der Diskussion für den Reichenspergerplatz neu aufgreift. Die mehrheitlich von der SPD geführte Bezirksverwaltung, alleine zuständig für die Benennung der Plätze und Straßen, besteht allerdings auf einen Heinrich-Böll-Platz als Ersatz für den Appellhofplatz. Besonders Bezirksvorsteher Kuert ist aufgrund der öffentlich geführten Diskussion verärgert. Dies wird am 20.09.1985 wiederum in einem Artikel des Kölner Stadt-Anzeigers deutlich. Danach würde die Bedeutung des Appellationsgerichtshofes schon durch den Reichenspergerplatz ausreichend gewürdigt. Darüber habe sich die Bezirksvertretung beim historischen Archiv sachkundig gemacht, ehe Bölls Witwe das Angebot Appellhofplatz gemacht wurde. "Wir sind nicht wie blinde Hühner auf ein Korn gestürzt, wir haben uns das schon überlegt", so Kuert.