Heinrich Böll kehrt aus dem Krieg zurück und erkennt "sein" Köln kaum wieder. In den Jahren des Wiederaufbaus wird ihm die Stadt immer fremder, weil sie mehr und mehr von ihrem so einmaligen Charakter verliert. In den Gesprächen mit Heinrich Vormweg (1976 - 1982) beschreibt er sein Verhältnis zum "neuen" Köln.



"Köln hatte vor dem Krieg überhaupt nichts Cityhaftes. Es ist jetzt eine City: Banken, Läden, abends zu, da kommen eben ein paar Leute, gehen spazieren, gehen Kaffee trinken oder Bier trinken, aber es ist kein Straßenleben im originalen Sinne. Sie wohnen nicht mehr da. Es wohnen kaum Menschen in der sogenannten Altstadt, und die Versuche, das künstlich wiederherzustellen misslingen. Eine Fußgängerzone zum Beispiel ist ja schon ein künstlicher Versuch, wieder Leben zu erwecken, und er wird nicht gelingen, wenn die Menschen nicht da wohnen." (alle Zitate aus: Heinrich Böll / Heinrich Vormweg: Weil die Stadt so fremd geworden ist. Gespräche. 1. Auflage, Bornheim-Merten: Lamuv Verlag, 1985, hier: S. 83f)



"[...] ein Bild aus meiner Kindheit: die Leute saßen ja auf Stühlen vor ihrer Wohnung auf der Straße und plauderten und guckten sich an was passierte. Das ist ja heute völlig undenkbar. Es hatte alles etwas Wohnzimmerhaftes, wie das in vielen niederländischen Städten auch war und ist. Das Leben spielte sich auf der Straße ab, so ein bisschen wie in Italien, mit einigen klimatischen Unterschieden natürlich. Und diese Straße und dieses Straßenleben, das hatte ja dann auch mit diesem Hin und Her zwischen Wohnungen und Lokalen zu tun. Das ist ja nicht mehr vorhanden." (S. 83)
"Es ist eigentlich eine Stadt wie fast jede andere geworden." (S. 83)





"Ich finde die Stadt zerstört durch diese riesigen lauten Straßen." (S. 83)
"[...] ich glaube, dass unsere ganze Zivilisation autobestimmt ist, wie auch unsere ganze Wirtschaft autobestimmt ist. Und das Auto ist ja ein Isolationsintrument, kein Kommunikationsinstrument. Ich kann die ökonomischen Konsequenzen für das eine oder andere gar nicht ermessen oder erwägen, aber alle Städte der Welt werden durch Autos zerstört [...]" (S. 84)