Heinrich Böll liebte das Flanieren auf den freien Flächen seiner Stadt. Spaziergänge am Rhein, fernab des dröhnenden Autoverkehrs, versöhnten ihn mit dem Nachkriegs-Köln, das er sonst als ewige Baustelle erlebte. Da scheint es eine gute Wahl zu sein, wenn ihm die Stadt einen ihrer schönsten Orte widmet.
Auch die zahllosen Touristen bekommen dessen Charme zu spüren. Auf dem Weg von der Altstadt zum Dom kommen sie am Heinrich-Böll-Platz nicht vorbei – im wahrsten Sinn des Wortes. Denn wenn sie, ein letztes Foto vom Rhein-Panorama schießend, die begrünten Serpentinen Richtung Dom hinaufsteigen, werden sie beim Sightseeing unsanft unterbrochen …
"Haaallo! Außen ’rum!", ruft ein Mann in blauer Uniform-Jacke, wiederholt seine Aufforderung gebetsmühlenartig wie ein Kindergärtner und rudert dabei unterstützend mit den Armen.
Ja, was ist denn los – Bombendrohung, Papstbesuch? Nichts zu sehen, nur ein großer, leerer Platz. Irritiert schlängeln sich die Passanten an einer provisorischen Absperrung vorbei. Zur Erklärung deutet der Wachmann müde auf ein kleines Schild. Dort ist in drei Sprachen zu lesen:
"Achtung! Platzmitte darf nicht betreten oder befahren werden! Unter diesem Platz befindet sich die Philharmonie. Schrittgeräusche stören die Proben und Aufführungen! Vielen Dank für Ihr Verständnis. Karten für die Philharmonie gibt es unter 0221 280 2 …"
Ein Platz, der keiner sein darf, benannt nach einem Schriftsteller, der sich Zeit seines Lebens gegen die sinnlose Bebauung seiner Heimatstadt gewehrt hat. Wer hat sich das denn ausgedacht? Und müssen die Besucher und Einwohner der Kulturmetropole Köln auch weiterhin die städtischen Sehenswürdigkeiten auf Zehenspitzen erkunden? Das wäre schade, denn Köln ist mit gepflegten Plätzen nicht gerade gesegnet. Denken wir zum Beispiel an den von acht Autospuren durchkreuzten Barbarossaplatz, welcher so majestätisch anmutet wie das Autobahnkreuz Kerpen.
Vielleicht wacht der Platzwart ja auch nur über die "Zone besonderer Sicherheit und Sauberkeit rund um den Dom", die der Kölner Platzbeigeordnete Bernd Streitberger in einem Zeitungsinterview versprochen hat. Dort schwärmte er nämlich auch von Ordnungsstreifen, die "bis zu 20 Stunden am Tag" patroullieren könnten. Soll das die Lösung für den Mangel an repräsentativen Plätzen in Köln sein? Wir wollen es genauer wissen und fragen nach.
"Ich glaube, daß alle Städte von den Autos zerstört werden, und ich will mich jetzt gar nicht in lange Spekulationen einlassen, daß eine Art Heimatvertreibung durch die Autos auf Dauer stattfinden wird ..."
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Kein Platz in Köln? Kurz nach Bölls Tod entfachte die Parteien-Debatte zur Benennung eines Ortes nach dem Schriftsteller. Schnell wurde der Name des Verstorbenen zum politischen Spielball. Prinzipienreiterei statt posthumer Ehrung – erfahren Sie mehr über das Gezänk im Spiegel der Kölner Presse.
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