"Es fehlen die weltlichen: ein Versicherungsgebäude oder ein Bankhaus. Daneben unbedingt zwei Hände, die eine die andere waschend; mag’s überall Kompromisse geben, Gentleman’s agreement, Aufeinanderabstimmungen
[...] Über den beiden Händen, die eine die andere waschend, müßte der Grielächer schweben, jene Person, deren Hand einmal wäscht, ein andermal gewaschen wird; der Grielächer nimmt nichts ernst, auch nicht, was ernst genommen zu werden verdiente; für ihn wird alles zur Variation einer Karnevalssitzung: [...] er könnte – so zwischen den beiden Händen schwebe – ein vulgäres Gesicht haben, patrizisch gekleidet sein, zwinkernde Augen wie Schäl, eine kreislaufgestörte Nase wie Tünnes haben; zarte Hände und plumpe Füße, oder umgekehrt [...]Damit wären noch lange nicht alle Ingredienzen aufgezählt, die das Kölnische zu einem wahren Eigenschaftswort machen, das beansprucht werden kann, eine Vokabel ganz besetzt zu halten. Der Rhein gehört natürlich dazu, Fabriken, Vororte, römische Mauern. Obwohl es Gefängnisse in jeder Stadt gibt – und in einigen den Rhein, die römischen Mauern und die Brücken, Vororte, wäre das Stadtgefängnis am Klingelpütz doch noch als typisch zu nennen; es ist hässlich und doch vertraut, es ist ständig überfüllt, [...] was die Fachleute Kriminalität nennen, ist in Köln, aus bislang ungeklärten Gründen, so verbreitet, wie es ansonsten nur in Hafenstädten verbreitet ist.
[...] Vielleicht wäre ein kleines Gitter, das viele Deutungen zuließe: Parkgitter, Rheingitter, Gefängnisgitter, als zusätzliches Moment in meinem imaginären Stadtwappen angebracht.
Quelle: Geschrieben für Merian ("Köln") 13 (1960), H. 8. Abdruck nach: Erzählungen, Hörspiele, Aufsätze. Köln: Kiepenheuer & Witsch 1961.
Zuerst veröffentlicht in: Deutsche Zeitung v. 18.08.1960
H. Dietz (68), gebürtiger Kölner, stellt sein persönliches Kölner Stadtwappen vor:

"Wie stellen Sie sich das Kölner Wappen vor? Was ist typisch kölsch?"
... das haben wir Kölner und Nicht-Kölner gefragt: