"Ich zeige sehr oft Köln ausländischen Freunden, die mich besuchen, die so eine vage Vorstellung haben von Kathedral und so weiter. Und ich hab’ da einen bestimmten Gang. Ich geh’ zuerst nach St. Maria im Kapitol, versuche denen klarzumachen, was das früher für ein herrliches, fünfschiffiges Gebilde war, zerstört, wieder aufgebaut, aber im Grunde ist die Stimmung nicht rekonstruierbar; und dann gibt’s da eben eine Madonna, die mich sehr reizt, die ich sehr liebe. Es ist eine ganz alte, häßliche, fast noch Erdmutter. Dann geh’ ich mit diesen Freunden nach St. Georg. […] Und ich versuche dann denen die St. –Johann-Kirche in Reproduktion zu zeigen; das war eine sehr schöne, ebenfalls fünfschiffige Kirche an der Severinstraße, die total zerstört ist. Dann geh’ ich die Severinstraße bis zur Severinskirche, die für mich persönlich sehr wichtig war. Wir haben da in der Nähe gewohnt, fast immer; und ich hab’ da meinen Kirchgang absolviert, mehr oder weniger freiwillig. Dann fahren wir nach Gereon, und auch ins Praetorium fahren wir runter mit dem Fahrstuhl; ich zeige dieses römische Gestein und diesen römischen Staub, der da immer noch liegt … es riecht ja auch nach Staub da."
"Und dann gehen wir auch mal in den Dom. Ich meine, der gehört ja zu Köln, und innen ist er wunderbar. Ich liebe den Dom innen sehr, außen mag ich ihn nicht. […] Die Türme des Doms stören mich. Ich find’ die überflüssig. Ich find’ das viel schöner, dieses mittelalterliche Provisorium mit dem Kran. Die Preußen haben ja den Dom dann gebaut und diesen ganzen vaterländischen Scheiß drum gemacht. […] Die Domtürme sind für mich ein Hohenzollerngebilde, und die mag ich nun mal nicht … Ich gehe aber auch ins Wallraf-Richartz-Museum mit meinen Freunden und ins Römisch-Germanische auch. Ich finde, das ist wirklich gut illustriert und zeigt also, was so alles an Vergangenheit und Vergänglichkeit im Boden dieser merkwürdigen Stadt verborgen war und ist … Dann geh’ ich am Rhein spazieren mit ihnen, weil das für mich sehr wichtig ist, und zeige die Brücken. Köln ist ja eine Brückenstadt … Na ja, dann gehen wir auch essen; es kommt darauf an, wie viel Zeit ich habe, nicht? Pantaleon, wenn wir Zeit haben – ist ja meistens dann doch ein Tagesunternehmen. Aber das ist Köln, und ich weiß, daß das ein fiktives Köln ist, weil die Kirchen, die ich meinen Freunden zeige … da ist ja keine Gemeinde mehr darum. Kunibert muß ich noch erwähnen, was ich sehr liebe und wo ich oft hingehe … […]"
(Böll, Viktor [Hrsg.]: Heinrich Böll und Köln, Köln 1994. Kiepenheuer & Witsch, S. 214, 215)