In dem Lied "Die drei vun d’r Linie zwei" singen die Bläck Fööss von einem Berufsalltag der Straßenbahner, wie es ihn heute nicht mehr gibt. Es herrschte ein gemächliches und dennoch wohlgeordnetes Verkehrs-
treiben, bei dem Freundlichkeit und Hilfsbereitschaft nicht auf der Strecke blieben.
Für Heinrich Böll war dies eine der schönen Seiten des Kölner Stadt-
lebens. Besonders von den Straßenbahnschaffnern zeigte er sich fasziniert, wie er 1953 in dem Text "Köln eine Stadt – nebenbei eine Großstadt" beschrieben hat:
"Wenn ich mich entscheiden müsste, was eigentlich den Ausschlag gibt in meiner Liebe zu dieser Stadt, die Straßenbahner würden siegen, weil sie sich aus einer sagenhaften Rasse rekrutieren, die es eigentlich gar nicht gibt; die aber aus dem Unsichtbaren heraus sich immer wieder manifestiert in den Schaffnern: aus der sagenhaften Rasse der Kölner, die aus so vielen Elementen besteht wie es Heere, wandernde Völker in Europa je gegeben hat [...]. Diese Mischung hat in zweitausend Jahren allerlei Weisheit angehäuft und sie gibt ihre Weisheit, wohldosiert, weiter an alle Zugewanderten, an jeden, der sie hören mag, sie gibt sie weiter durch den Mund ihrer Straßenbahnschaffner. [...]
Wer sich zu ihnen in die Kur begibt, also mit der Straßenbahn fährt, wird bestimmt geheilt entlassen, geheilt von der Vorstellung, das Leben sei lang genug, dass man Zeit habe, sich aufzuregen."
(Böll, Viktor [Hrsg.]: Heinrich Böll und Köln. Köln: Emons, 1990. S. 126-127)
Doch inwieweit entsprach Heinrich Bölls Bild auch der wirklichen Lebenssituation eines Schaffners? Wie gestaltete sich seine tägliche Arbeit tatsächlich?