Hermann Driever und Peter Peters sind ehrenamtliche Mitarbeiter im Straßenbahnmuseum Thielenbruch und erläutern die damaligen Gegebenheiten.
Ein Straßenbahnschaffner verkörperte Disziplin und sorgte für Ordnung, trat den Bürgern aber auch als einer der ihren entgegen. In der Rolle des Ansprechpartners und Helfers fungierte er als emotionales Binde-
glied zwischen Stadt und Gesellschaft. Wer den Beruf des Straßenbahn-
schaffners ausüben wollte, musste die zwei Jahre Wehrdienst geleistet und eine entsprechende Schaffnerausbildung absolviert haben. Diese dauerte etwa zwei Jahre. Zusätzlich musste eine Kaution von 100 Goldmark hinterlegt werden. Diese sollte materielle Verluste finanziell ausgleichen. Stellte sich beispielsweise bei der Kontrolle des Fahrkarten-
buches heraus, dass sich zu wenig Geld für die verkauften Fahrkarten in der Kasse befand, musste der Schaffner dafür finanziell gerade stehen. Bei Antritt der Rente und bis dahin fehlerfreier Berufsausübung wurde die Kaution dann vollständig zurückgezahlt.
Ein Schaffner war sich stets der ständigen Kontrolle seiner Tätigkeiten bewusst und folgte den genau festgelegten Dienstvorschriften. Dies wurde beispielsweise durch die Dienstkleidung deutlich. Das Jackett war aus Wollfilz und daher unangenehm zu tragen. Die Uniform zu variieren, war jedoch verboten. Zudem musste die Uniform auch im Sommer getragen werden und erschwerte dem Schaffner die Arbeit dadurch erheblich. Der Platz eines Schaffners befand sich jeweils neben der Einstiegstür wo Fahrkartenverkauf und -kontrolle von statten gingen. In den moderneren mehrtürigen Straßenbahnen der fünfziger Jahre waren daher stets zwei Schaffner pro Wagen im Einsatz.
Der Beruf des Straßenbahnschaffners war entgegen allem Anschein nicht ausschließlich für Männer vorgesehen. Das Verhältnis von männlichen und weiblichen Schaffnern war meist ausgewogen. Während der Weltkriege waren es jedoch die Frauen, welche den Straßenbahnverkehr übernahmen.
Bis Anfang der siebziger Jahre prägten die Schaffner den kölschen Straßenbahnverkehr. Danach wurde der Fahrkartenverkauf durch Automaten ersetzt. Diese Entwicklung hat dazu geführt, dass den Menschen heutzutage kaum noch solche Erfahrungen mit Schaffnern vergönnt sind, wie Böll sie beschrieb.