"Ich lernte gern, war aber nicht sonderlich schulversessen, fing an, mich dort über lange Strecken zu langweilen. ... Es machte mir Spaß, für mich alleine, ohne jeden direkten Nutzen, einen Text zu übersetzten – in späteren Jahren blieb ich manchmal zu Hause, um an Sophokles’ 'Antigone', deren langsame Behandlung in der Schule mich ungeduldig machte, allein weiterzuarbeiten. … wie gesagt, die ermüdende Langsamkeit des Übersetzens im Unterricht (ach, diese vor Langweile gebeugten Rücken derer, die unbedingt ein humanistisches Gymnasium absolvieren mussten! Warum eigentlich?) – machte mich ungeduldig, und ich setzte mich zu Hause mit dem Lexikon hin und machte weiter. … Nicht immer mit vorheriger, aber immer mit nachträglicher Genehmigung meiner Mutter ging ich oft in die Straßenschule … ."
(S. 25, 102 und 103)
Böll ist im Bildungsbürgertum aufgewachsen und hatte von zu Hause aus eine schützende Hand über sich. Er hat für sich selbst entschieden, wann es für ihn gut ist, nicht zur Schule zu gehen. Manchmal neigen Experten dazu, alles zu psychologisieren. Das Schwänzen ist aber ein universelles Problem. Selbst Abiturienten bleiben dem Unterricht fern, wenn sie wissen, dass es nicht bemerkt wird. Dies tritt oft ab dem 18. Lebensjahr auf, im Moment der Volljährigkeit, wenn sie keine Entschuldigung von den Eltern brauchen. Aber Jugendliche in der Pubertät sind oft himmelhochjauchzend und zu Tode betrübt. Sie haben häufig Stimmungsschwankungen und teilen diese Erfahrungen nicht mit ihren Lehrern. Dies wäre aber wünschenswert, weil die Schule dann ein Klima des Vertrauens bietet. Es ist eine hohe Kunst zu erreichen, dass sich Schüler in der Schule verstanden und auch geborgen fühlen. Die Schule sollte ein Ort des Austausches sein, ein Ort, der für das wirkliche Leben vorbereitet. Hier sollte nicht nur gerechnet und geschrieben, sondern manchmal auch gelacht werden.
(Elke Ostbomk-Fischer)
Kinder wollen lernen. Man muss ihnen das Wissen nicht mit Gewalt eintrichtern. Jedes Kind hat Interesse an seiner Umwelt, an sich, an den anderen Menschen und an der Welt, am Leben insgesamt. Groß geworden im Bildungsbürgertum, zeigte Böll an Literatur großes Interesse. Das ist ja eine ganz spezielle Familie gewesen. Dass Böll von zu Hause – auch in seiner Haltung gegenüber der Schule - Unterstützung erfuhr, hat er seiner Mutter zu verdanken. Das ist nicht in allen Familien selbstverständlich.
(Ursula Merz)