"Meine Mutter wußte viel, ahnte einiges, aber nicht alles. Familiengerüchten zufolge – die, wie alle Familiengerüchte, mit Vorsicht zu genießen sind – bin ich von den letzten drei dieser vier Nazischuljahre nicht die halbe Zeit 'zur Schule gegangen'. ... Schon lange, bevor ich Anouilhs Stück 'Der Reisende ohne Gepäck' kannte, war ich gern ein solcher … . Hände in der Tasche , Augen auf, Straßenhändler, Trödler, Märkte, Kirchen, Museen …, Huren (an denen in Köln kaum ein Weg vorbeiführte) – Hunde und Katzen, Nonnen und Priester, Mönche – und der Rhein, dieser große und graue Rhein, belebt und lebhaft, an dem ich stundenlang sitzen konnte; manchmal auch im Kino, im Schummer der Frühvorstellungen, in denen ein paar Bummler und Arbeitslose saßen."
(S. 13)
Böll hat in der Zeit der Kriegsvorbereitungen zum Zweiten Weltkrieg gelebt und befand sich während seiner Schul-Schwänzerei in der Pubertät. Um etwas auf der Straße außerhalb der Schule zu lernen, kommt es auf die Ethik und Ziele der Person an. Hätte sich Böll an seinen Lehrern und Mitschülern orientiert, die dem Nationalsozialismus zugewandt waren, hätte er schlechte Vorbilder gehabt. Wenn Kopf, Herz und Hand nicht harmonieren, kann die Schule bei einem Kind oder Jugendlichen sehr viel Schaden anrichten. Daher kann ich verstehen, dass Böll oft der Schule fern blieb.
(Elke Ostbomk-Fischer)
Eigentlich lernen Schüler auch aus Beobachtungen. Ich denke schon, dass man Taschenspielertricks immer noch lernen kann. Das gibt’s nach wie vor. Man sieht auch wahrscheinlich Ähnliches wieder: viele Arbeitslose, die herumsitzen, viele Leute, die betteln, die Almosen haben wollen. Ich denke, dass man auch viele Auseinandersetzungen auf der Straße beobachten kann. Vielleicht beobachten die Schüler aber auch Positives, Situationen, in denen sich Leute gegenseitig helfen, freundlich sind, höflich sind. Das hoffe ich wenigstens.
(Ursula Merz)