
"Es bedurfte einiger Gespräche und ausgiebigen Recherchen, um über das Sowjetparadies in den Grüften exakte Auskünfte zu bekommen. Immerhin ließ sich dessen Dauer genau feststellen: vom 20. Februar bis 7. März 1945 lebten Leni, Boris, Lotte, Margret, Pelzer und Lottes damals fünf- bzw. zehnjährige Söhne Kurt und Werner unter katakombenartigen Umständen in deinem ganzen 'Gruftsystem' (Pelzer) auf dem Zentralfriedhof."
(S. 279, Z. 8–14)

(Hölthone): "Nun zu dem, was gewisse Auskunftspersonen Ihnen als das Sowjetparadies in den Grüften bezeichnet haben: wir waren auch in dieses Paradies eingeladen, Grundtsch und ich, aber wir haben Angst gehabt, nicht vor den Toten, vor den Lebenden, und weil der Friedhof mitten im Bombenabwurfbereich der Flugzeuge lag, zwischen Altstadt und den Vororten; was die Toten betrifft, so hat mich an diesem Paradies da nichts gestört, immerhin haben die Menschen sich ja jahrhundertelang in Katakomben getroffen und ihre Feste gefeiert. Der Keller neben dem Kirchengewölbe des Karmeliterinnenklosters war mir sicherer – da konnte getrost eine Streife kommen und nach meinen Papieren fragen, aber auf dem Friedhof in den Grüften: das war doch eine verdächtige Position, und schließlich wußte man doch gar nicht mehr recht, als was man nun am sichersten war – als versteckte Jüdin, als versteckte Separatistin, als nicht desertierter deutscher Soldat oder als desertierter, als entsprungener Häftling oder nicht entsprungener, und es wimmelte ja von Deserteuren in der Stadt, und in deren Nähe wars gar nicht gemütlich, da wurde rasch geschossen, von beiden Seiten. Dieselbe Angst hat Grundtsch gehabt, der doch den Friedhof sozusagen seit vierzig oder fünfzig Jahren nicht verlassen hat; jetzt, so Mitte Februar 45, verließ er ihn und verzog sich für eine Weile aufs Land …"
(S. 274, Z. 3–25)

"Albert Grundtsch, jetzt achtzig, lebt immer noch in 'seinem Gehäuse verkrochen, praktisch auf dem Friedhof' (G. über G.), in einem zweieinhalb Zimmer großen steinernen (Backstein-) Schuppen, von dem aus er seine beiden Treibhäuser bequem betreten kann."
(S. 154, Z. 12–16)
Weitere Informationen und Bilder zum Friedhof finden Sie unter www.melatenfriedhof.de
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