"KÖLN
Im Zeiten-Karussell
Rom am Dom
Ein paar Wendungen weiter rasselt der Kommerz
Der Clown und sein sakraler Karneval
In lautlosen Räumen kühl aufbewahrt der Name der uns erschuf."
(Rose Ausländer)
Im Interview mit dem katholischen Pfarrer Franz Meurer aus Köln werden Heinrich Bölls Frömmigkeit und seine Haltung zur Institution Kirche beleuchtet.
Franz Meurer ist katholischer Pfarrer in den Kölner Stadtteilen Höhenberg und Vingst. In diesem Teil Kölns leben viele Menschen in einer prekären wirtschaftlichen und sozialen Situation. Pfarrer Meurer ist für die Menschen dort eine Institution. Er praktiziert die katholische Soziallehre da, wo sie gebraucht wird: in der 'Nahwelt', welche die soziale Existenz des Menschen begründet und bestimmt. 'Hilfe zur Selbsthilfe' könnte man sein Konzept überschreiben. Zusammen mit Jürgen Becker und Martin Stankowski hat er das Buch "Von wegen nix zu machen. Werkzeugkiste für Weltverbesserer" geschrieben.
"Die so genannte Marktwirtschaft zeigt längst ihre hässlichen Seiten, grenzt aus, schüchtert ein, produziert nicht nur Arme, sondern zerstört auch deren Würde. Früher haben wir über gesellschaftliche Utopien gestritten und über kollektive Methoden der Gesellschaftsveränderung nachgedacht. Aber es genügt eben nicht, die hässlichen Verhältnisse anzuprangern und sie vom Kopf auf die Füße stellen zu wollen: Wir müssen selbst etwas tun." (S. 7)
Mit anderen Worten: Da sich die 'große Politik' in letzter Konsequenz erst im Bereich des individuell Erfahrbaren bemerkbar macht, muss eine Veränderung der Verhältnisse auch dort beginnen.
Pfarrer Meurer ist einer der wenigen katholischen Theologen, die sich zu Leben und Werk Heinrich Bölls positiv geäußert haben. Mehr noch: Meurer sieht sich durch Heinrich Böll geprägt. Er sieht in Heinrich Böll einen modernen Christen, der in seiner Beurteilung der Institution Kirche seiner Zeit voraus war. Das Spannungsfeld zwischen Freiheit und Gläubigkeit ist ein bestimmendes Thema im Frühwerk Heinrich Bölls. Meurer schreibt über Böll: "Ist es möglich, als moderner Mensch Christ zu sein? In Freiheit zu glauben? Von Heinrich Böll habe ich gelernt, dass es geht, allerdings spannungsvoll." (Meurer: Heinrich Böll, S. 116).
"Ich brauche die Sakramente, ich brauche die Liturgie ... Aber ich brauche den Klerus nicht."
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"... ich befinde mich, was Religion, Kirche etc. betrifft, in einem ausgesprochen vulgären Zustand ... ."
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"Als ich ein Kind war – in einer extrem katholisch-konfessionell bestimmten Stadt aufgewachsen, ... wenn man damals zu jemand sagte: Du bist verrückt, sagte der: Nein, ich bin evangelisch."
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Religion und Kirche wurden besonders in zwei Romanen thematisiert:
"Ansichten eines Clowns"
"Und sagte kein einziges Wort"