Marie (Hans Schniers Partnerin und praktizierende Katholikin) versucht Hans in den 'Kreis fortgeschrittener Katholiken' zu integrieren. Sie möchte Hans intelligente Anhänger der Kirche zeigen – intellektuelle Katholiken. Die Kreismitglieder sind nicht nur 'fortgeschritten' sie sind auch recht wohlhabend. Jeder verdient mindestens 1.500 Mark. Sie trinken Wein, beten, rauchen Zigarre, und diskutieren 'Käsestangen fressend' über 'Armut in der Gesellschaft, in der wir leben'. Der Kreis ist der Meinung, dass die 'Armut in der Gesellschaft, in der wir leben', gar nicht so schlimm sei. Viel übler sei es, zwischen 500 und 3.000 Mark zu verdienen, 'das ist das nackte Elend' – unter 500 und über 3.000 Mark, damit könne man ja leben!
Böll charakterisiert in 'Ansichten eines Clowns' den bürgerlichen Katholizismus, indem er den Katholiken und katholischen Gruppen eine repräsentative Rolle verpasst. Mit dem 'Kreis fortgeschrittener Katholiken' deutet Böll auf seine Grundkritik am Katholizismus:
"Die Katholiken, insbesondere die katholische Intelligenz, missbrauchen ihre Religion und ihren Verstand gleichermaßen, um die offenbaren Ungerechtigkeiten (...) zu justifizieren." (S.29)
'Katholik' ist für Schnier ein Schimpfwort, ein Unwort, ein Wort, was auf fortwährende Schande verweist.
Literatur: Götze, Karl Heinz 1985: Heinrich Böll, Ansichten eines Clowns. Text und Geschichte. UTB für Wissenschaft, Stuttgart.
Kostert (vom christlichen Bildungswerk)
repräsentiert den Katholizismus als wirtschafts- und materialorientiert. Kosterts verhalten ist nicht persönlich, sondern typisch für die Kirche.
Kinkel
Gehört zum 'Kreis' und ist im Besitz wertvoller Madonnen-Statuen, die aus einem Kirchenraub stammen (müssen). Kinkel repräsentiert hier die Doppelmoral der Kirche, also dass in diesem Fall die Anhänger der Kirche, die Diebstahl und Heuchelei verurteilten, sie selbst praktizieren. Vgl.: Kinkels Madonnen!
Der Mönch aus der 'Dings wo Priester ausgebildet werden'
Hier nimmt Böll den Katholizismus quasi auf den Arm. Er spricht am Telefon mit einem Mönch und bittet ihn auf Latein 'Sum frater leonis'. Eine Andeutung darauf, dass das Mittelalter in der Kirche noch lange nicht vorbei ist.