
In dem die Kirche zu einer Verwaltung, einer Institution inmitten der Gesellschaft, ein Teil von ihr, geworden ist, findet auch kein gelebter, sondern ein titulierter Glaube statt.
Die Kirche hat sich an Politik und Gesellschaft angepasst und keine Verbindung mehr zu den Menschen. 1973 wird im SPIEGEL eine Kritik von Böll zum soeben erschienen Buch 'Jesus Menschensohn' von Rudolf Augstein veröffentlicht. Auch hier äußert sich Böll kritisch zur Kirche und ihrer Theologie:
"Ich habe mir nie so recht vorstellen können, dass Glaube lehrbar, vererbbar, tradierbar sei, [...] ich befinde mich, was Religion, Kirche etc. betrifft, in einem ausgesprochen vulgären Zustand, und ich frage mich, ob es einen 'Gott der Theologen' gibt und einen anderen für den vulgus." (S. 158)
Indem Böll das Wort 'vulgus' benutzt, das aus dem Lateinischen mit 'Volk' übersetzt werden kann, als 'vulgär' umgangssprachlich aber eher für Unkultiviertheit steht, macht er auch hier die Trennung zwischen der katholischen Kirche und dem gemeinen Volk und allen damit verbundenen Kritikpunkten deutlich.
Böll tritt aus der 'Institution Kirche' aus, wie er immer wieder betont. Sein Glaube bleibt für ihn dadurch unberührt – oftmals verbindet ihn das mit Protagonisten in seinen Werken. Als Heinrich Böll in einem Interview gefragt wird: "Sie würden also sagen, Sie sind ein steuerzahlender, aber nicht praktizierender Katholik?" antwortet Böll, dass er auf den Klerus verzichten könne, jedoch nicht auf die Sakramente und die Liturgie.
Literatur: Böll, Heinrich 1973: Blick zurück mit Bitterkeit. Der Spiegel 15/1973. 158-163

Religion und Kirche wurden besonders in zwei Romanen thematisiert:
"Ansichten eines Clowns"
"Und sagte kein einziges Wort"
In einem Fernseh-Statement aus dem Jahre 1964 äußert sich Heinrich Böll im WDR zu den kirchlichen Gremien und dem Laienkatholizismus. Hier können Sie sich den Original-Ausschnitt (Quelle: WDR) ansehen: