Viele Kritiker sahen Heinrich Bölls angeblichen Antikatholizismus irrtümlich durch den Roman 'Ansichten eines Clowns' bestätigt.
Die Frage wurde laut, ob es sich bei Hans Schnier tatsächlich nur um einen Protagonisten, den 27-jährigen Clown in Bölls Werk handelt, dessen Liebesbeziehung an der Institution der katholischen Kirche und an der politischen Situation zerbricht, oder ob der damals 45-jährige Autor nur seine eigene Ansichten bekannt gibt. Bölls heftige Kritik wurde von den großen Medien des Landes als heimlicher Groll und Missachtung gedeutet.
Verlustverarbeitung
Böll kritisierte die Konkordatspolitik des Papstes. Er setzte lange Zeit Hoffnung in die humanisierende Kraft der katholischen Kirche. In 'Ansichten eines Clowns' scheint Böll sich von dieser Hoffnung zu verabschieden und diesen Verlust zu verarbeiten. Seine bis dahin aufgestaute Kritik an der Kirche wird in 'Ansichten eines Clowns' gebündelt und ihre Heftigkeit spiegelt die einstige Hoffnung wider.
Ob Böll mit der Kirche haderte oder die Kirche mit Böll, darüber lässt sich streiten. Nach dem Erscheinen des Romans predigten Geistige von der Kanzel herab gegen Böll und strikt gegen sein Werk.
Für Heinrich Böll haben im Laufe der Zeit Glaube und Kirche immer weniger miteinander zu tun. Der Austritt aus der Kirche im Jahr 1976 ändert nichts an der Tatsachte, dass er praktizierender Christ bleibt.