Die Institutionskritik in 'Und sagte kein einziges Wort' zeigt sich besonders in der Darstellung des Klerus. Insbesondere mit der Beschreibung der Prozession präsentiert Böll die Kirche in Prunk und Scheinheiligkeit. Der Kirche als Institution geht um ihre Selbstdarstellung, sie ist auf Außenschau bedacht, eitel, und die Botschaft Jesus tritt in den Hintergrund.
"Die Hostie, obwohl sie sehr groß war, konnte ich nur schlecht sehen, und ich kniete nieder, bekreuzigte mich, und ich hatte einen Augenblick lang das Gefühl, ein Heuchler zu sein, bis mir einfiel dass Gott unschuldig war und dass es keine Heuchelei war vor ihm niederzuknien." (S. 58)
Auch in der Charakterisierung des Bischofs verdeutlicht sich die Institutionskritik: Der Bischof betet nicht bei Prozession, seine Frömmigkeit ist also geheuchelt. Die Prozession bekommt den Charakter einer Parade. Durch die Parallelen zwischen Kirche und Drogistenverband, die Böll im Roman immer wieder einflicht, erscheint die Kirche als beliebige Organisation. Und indem Fred am Ende des Romans bei seiner Arbeit in der Kirchenbehörde ein Telefongespräch belauscht, und hört, dass eine Rüge der Drogisten auf Grund privater Beziehungen zurückgehalten wird, zeigt dies noch einmal den Opportunismus der Kirche, womit Kritik an ihrer Institutionalisierung geübt wird.
"Ein Vetter seiner Eminenz ist Vorsitzender des Drogistenverbandes" (S. 176)
Als Heinrich Böll und seine Frau Annemarie 1976 aus der Kirche austreten, bezeichnen sie in ihrer Austrittserklärung die römisch-katholische Kirche nicht zufällig als 'Körperschaft des öffentlichen Rechts'.