
Köln wurde seit seiner Funktion als Erzbistum (um 800 n. Chr.) von Erzbischöfen 'regiert', erst mit der französischen Besatzung Ende des 17. Jahrhunderts verloren die Bischöfe ihre Macht. Doch auch zuvor waren die Bischöfe nicht 'allmächtig'.
Im Gegenteil: Mit den Kölner Bürgern durfte es sich kein Bischof verscherzen. Sie waren zwar zutiefst religiös und akzeptierten ihren Bischof auch als unfehlbares geistiges Oberhaupt, doch nur, so lange es auch beim 'geistigen Geschäft' blieb. Der Bischof als weltlicher Landesherr war sehr wohl kritisierbar. Bischoff Anno II. wurde 1074 von Bürgern gar aus der Stadt getrieben, nachdem er willkürliche Entscheidungen gegen einen Kaufmann gefällt hatte. Nachfolgenden Bischöfen erging es ähnlich, sobald die herrschaftlichen Privilegien dem Handel in die Quere kamen.
Die Bürger der Stadt Köln hielten also meist zusammen – man verfolgte schließlich ein gemeinsames Interesse. Auch gab man sich selbstbewusst gegenüber Herren und Eroberern, zumal es erst Napoleon gelang, die Stadt erstmals zu besetzen. Als nach dem Wiener Kongress 1815 die Rheinprovinz, zu der auch Köln gehörte, an Preußen fiel, verhielten sich die Kölner gegenüber den 'Eroberern' distanziert, sogar überheblich. Für Kölns Bürger konnte die knapp zweihundertjährige Geschichte Preußens mit der geschichtlichen Bedeutung Kölns nicht mithalten.
Einige Autoren sehen die 'Kölner Wirren' oder das 'Kölner Ereignis' und deren Auflösung als einen der Hauptgründe dafür an, dass der politische Katholizismus im Rheinland besonders tief verwurzelt ist. Mit der Amtsenthebung und Verhaftung des Kölner Erzbischofs Clemens August Droste, die 1837 den Höhepunkt der 'Kölner Wirren' kennzeichnete, kam es erstmals zu offenen Protesten der rheinischen Bevölkerung gegen die Preußen. Ausschlaggebend für die Kölner Wirren war der Streit um die 'Mischehe', bei dem die katholische Kirche auf dem Standpunkt blieb, solche Ehen nur zu segnen, wenn bei der Eheschließung versprochen wird, die Kinder im katholischen Glauben zu erziehen.
In einem Fernseh-Statement aus dem Jahre 1964 äußert sich Heinrich Böll im WDR zu den kirchlichen Gremien und dem Laienkatholizismus. Hier können Sie sich den Original-Ausschnitt (Quelle: WDR) ansehen:
Auszüge aus dem Hörbuch "Ansichten eines Clowns".
Gelesen von Heinrich Böll.
