Im überwiegend protestantischen Preußen wurden Kinder jedoch stets nach dem Glauben des Vaters aufgezogen. Da sich Ehen zwischen preußischen Beamten und Soldaten mit Rheinländerinnen häuften, wurde den katholischen Priestern verboten, dieses Versprechen als Voraussetzung für die Segnung abzunehmen. Als Erzbischof Droste mit dieser stillschweigenden Vereinbarung brach, kam es zu den 'Kölner Wirren'.
Wie dichotom das Verhältnis zwischen Protestanten und Katholiken und deren Lebenswelten noch bis in die 1950er Jahre hinein war, zeigt folgender Ausschnitt aus einer Dankesrede von Böll anlässlich der Verleihung der Carl-von-Ossietzky-Medaille durch die Internationale Lage für Menschenrechte im Jahre 1974:
"Als ich ein Kind war – in einer extrem katholisch-konfessionell bestimmten Stadt aufgewachsen, [...] wenn man damals zu jemand sagte: Du bist verrückt, sagte der: Nein, ich bin evangelisch. Und die Erwachsenen pflegten zu sagen, wenn man bei anderer Gelegenheit sagen würde: Es ist zum Verrücktwerden – Es ist zum Evangelischwerden." (S. 167)
Im Jahre 1839 wurde Droste aus der Haft entlassen, musste aber im Münsterland im Exil leben. Trotzdem gab 1840 der preußische König, Friedrich Wilhelm IV, nach, indem er die Entscheidungsgewalt in der Mischehenpraxis wieder den Bischöfen überließ.
Literatur: Böll, Heinrich 1985: Ich habe die Nase voll!. Man muß immer weitergehen. Schriften und Reden 1973-1975. Deutscher Taschenbuch Verlag, München. 165-170
Büsch, Otto 1992: Handbuch der Preussischen Geschichte. Bd. 2. Gruyter, Berlin. 176-179.
"Ich brauche die Sakramente, ich brauche die Liturgie... Aber ich brauche den Klerus nicht."
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"... die Tatsache, daß religiös, auf christliche Weise religiös, nicht kirchlich bedeutet, ist mir sehr früh vertraut gewesen ..."
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"... ich befinde mich, was Religion, Kirche etc. betrifft, in einem ausgesprochen vulgären Zustand ... ."
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