
In seinem Roman "Und sagte kein einziges Wort" beschreibt Böll die Beziehung des Ehepaars Fred und Käte Bogner in der Nachkriegszeit. Die Bogners leben räumlich getrennt, weil Fred die beengenden Wohnverhältnisse und die Armut der Familie nicht ertragen kann. Er trinkt und ist dem Glücksspiel zugeneigt. Zuweilen trifft er sich mit Käte um in Stundenhotels etwas gemeinsame Zeit zu verbringen. Die erneute Schwangerschaft Kätes scheint die endgültige Trennung des Paars zu bedeuten.
Mit dem Roman übt Heinrich Böll Kritik an der Amtskirche und dem bürgerlichem Katholizismus.
Die Bedeutung, die die Religion für Fred und Käte hat, wird besonders durch die Bedeutung des Gebetes für die Beiden deutlich:
"Du solltest beten, sagte sie, wirklich. Es ist das einzige was nicht langweilig sein kann." (S. 156)
"'Wenn ich betrunken bin, kann ich manchmal ganz gut beten. Es ist nicht gut, Fred. Beten ist was für Nüchterne.'" (S. 156)
Beten als Hoffnung fällt Käte leichter als Fred. Aber das Gebet ist auch für Fred wichtig: Es ist für ihn das wichtigste verbindende Element zwischen ihm und Käte
"Käte (…) mit der mich so viel verband wie mit keinem Menschen auf der Welt: mit der ich nicht nur zusammen geschlafen, gegessen, gesprochen, zehn Jahre lang ohne eine Unterbrechung – mit ihr verband mich etwas, das Menschen mehr verbindet als miteinander schlafen: Es hatte eine Zeit gegeben, in der wir zusammen gebetet hatten." (S. 183)
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Alle Zitate aus: Heinrich Böll: "Und sagte kein einziges Wort". dtv: München. 19. Auflage November 2006
Armut und beengte Wohnverhältnisse – Die Bogners
Bogners entsprechen nicht den Vorstellungen des bürgerlich-katholischen Milieus. Sie wahren nicht die religiösen Formen, das Institutionelle der Kirche ist ihnen ein Graus.
Sauberkeit und Wohlstand – Frau Franke
Frankes stehen für den Bürgerlichen Katholizismus.So steht Frau Franke im starken Kontrast zu Käte. Sie geht jeden morgen in die Kirche, während Käte sich manchmal für ein paar Augenblicke in die Kirche schleicht wenn kein Gottesdienst ist. Sie genießt täglich den Sakramentsempfang, während Käte Angst davor hat. Sie hat Einfluss in der Kirchengemeinschaft und pflegt Kontakte zu den kirchlichen Amtsträgern. Sie repräsentiert Sauberkeit und Ordnung, ihre kitschige, überladene Weihnachtsdekoration verdeutlicht ihren Wohlstand, der ganz im Gegensatz zu der Armut der Bogners steht.
Selbstdarstellung, Opportunismus, mangelnde Mitmenschlichkeit – Der Klerus
Die Darstellung der Kirche ist ambivalent. Deutlich wird, dass Böll starke Kritik an der Institution übt. Besonders mit der Beschreibung der Prozession präsentiert Böll die Kirche in Prunk und Scheinheiligkeit. Es geht um ihre Selbstdarstellung, sie ist auf Außenschau bedacht, eitel, und die Botschaft Jesus tritt in den Hintergrund.
Institution Kirche
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Nächstenliebe
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